Präpositionen die immer den Dativ verlangen
- Charlotte
- vor 6 Stunden
- 8 Min. Lesezeit

Es ist mal wieder Zeit für Präpositionen.
Ich weiß – Präpositionen sind nicht das Lieblings-Thema beim Deutschlernen. Aber sie sind wirklich wichtig. Denn diese kleinen Wörter entscheiden über den Fall, in den du ein Nomen setzen musst. Also: Brauchst du den Akkusativ, den Dativ oder den Genitiv?
Und ganz ehrlich: Wenn du Präpositionen sicher verwendest, klingst du automatisch flüssiger. Du musst weniger nachdenken, du baust Sätze schneller – und du fühlst dich beim Sprechen einfach sicherer.
In diesem Artikel geht es nur um Präpositionen, die immer den Dativ verlangen. Also: keine Mischfälle, kein „manchmal so, manchmal so“. Nur die Präpositionen, bei denen du dir wirklich merken kannst: Dativ – immer.
Hier kannst du die passende Episode im Uplevel Your German Podcast anhören:
Inhaltsübersicht: Alle Präpositionen auf einen Blick
Tipp: Bitte nicht als Liste lernen
Bevor wir einsteigen, ein Tipp, der für viele meiner Schüler einen großen Unterschied gemacht hat:
Du kannst dir Präpositionen natürlich als Liste merken: aus, bei, mit, nach, seit …
Aber im Gespräch hilft dir das nur begrenzt. Denn dann rufst du jedes Mal innerlich die Regel ab. Und das kostet Zeit.
Viel besser ist das: Du lernst Präpositionen mit Sätzen.
Also nicht: „bei + Dativ“, sondern du hast direkt ein paar Sätze im Kopf, zum Beispiel:
Ich bin bei Eva.
Ich bin beim Arzt.
Ich bin bei der Arbeit.
Und genau dadurch entsteht dieses Gefühl: „So klingt es richtig.“
Das kennst du aus deiner eigenen Sprache. Du denkst ja auch nicht bei jedem Satz bewusst an Grammatik – du hast Muster im Kopf. Und genau dieses Gefühl wollen wir im Deutschen auch.
Deshalb: Lies heute nicht nur wie eine Liste, sondern nimm dir am besten am Ende ein paar Sätze mit, die du wirklich gebrauchen kannst.
Präpositionen, die immer den Dativ verlangen
aus
Fangen wir an mit aus.
Aus bedeutet: aus etwas heraus – oft wirklich „von innen nach außen“.
Wann kommen die Kinder aus der Schule?
Ich komme aus Deutschland.
Ich nehme das Buch aus der Tasche.
Achtung:
Viele verwechseln aus und von, weil beide auf Englisch oft „from“ sind. Du kannst dir den Unterschied aber nicht nur als Regel merken, sondern als Bild:
Aus ist häufig „von innen“ – aus dem Haus, aus der Tasche, aus der Schule.
von
Und damit sind wir schon bei von.
Von ist eher: von einem Punkt ausgehend, von einer Person, von einem Ort.
Ich habe das von meiner Freundin gehört.
Ich komme gerade von der Arbeit.
Von hier aus kann man zu Fuß gehen.
Und „von hier aus“ ist übrigens so eine schöne feste Kombination. Das kannst du wirklich als ganzes Stück Sprache lernen – dann musst du gar nicht nachdenken.
bei und zu
Als Nächstes kommen zwei Präpositionen, die fast jeder Deutschlerner irgendwann verwechselt: bei und zu. Viele Sprachen haben dafür nämlich nur ein Wort.
Im Französischen zum Beispiel sagt man: Je suis chez Marie und Je vais chez Marie – beide Male „chez“. Im Deutschen trennen wir das.
Hier ist die Grundidee, die du dir merken kannst:
bei = du bist dort. Du bist schon am Ort.
zu = du gehst dorthin. Du hast ein Ziel, es gibt Bewegung.
Und jetzt schauen wir uns beide kurz an.
Fangen wir mit bei an: „bei“ bedeutet oft: bei einer Person, an einem Ort, im Kontext von etwas.
Ich bin bei Eva.
Ich bin beim Arzt.
Ich arbeite bei Siemens.
Und jetzt zu: „zu“ benutzt du vor allem bei Personen – und bei Orten mit Artikel.
Ich fahre zu Anna.
Ich gehe zum Arzt.
Ich gehe zur Schule.
mit
Als Nächstes kommt mit.
Mit heißt: zusammen. Oder: womit du etwas machst.
Ich fahre mit dem Auto.
Ich komme mit meinem Freund.
Ich schreibe mit einem Stift.
„Mit“ bedeutet nicht nur „zusammen mit einer Person“, sondern auch „mit Hilfe von“.
Ich fahre mit dem Auto.
Ich schneide mit einem Messer.
Ich lerne mit einer App.
seit und ab
Jetzt kommen wir zu zwei Präpositionen, die du brauchst, wenn du über Zeit sprichst: seit und ab.
Seit beschreibt einen Beginn in der Vergangenheit – und es gilt bis jetzt.
Seit dem 1. März wohnen wir in Berlin.
Ich lerne seit zwei Jahren Deutsch.
Wenn du „seit“ hörst, denk an: Das hat früher angefangen und geht bis heute weiter.
Ab ist oft das Gegenteil: ein Startpunkt ab jetzt oder ab einem bestimmten Zeitpunkt.
Ab 9 Uhr bin ich in einer Videokonferenz.
Ab Montag habe ich Urlaub.
Ab dem 1. Juni wird der Kurs teurer.
Und bei „ab dem 1. Juni“ hörst du den Dativ wirklich ganz deutlich: ab dem.
nach
Jetzt kommt eine Präposition, die zwei wichtige Bedeutungen hat: örtlich (lokal) und zeitlich (temporal).
Örtlich bedeutet nach: wohin.
Ich fahre nach Hannover.
Wir fliegen nach Italien.
Achtung: nach benutzen wir nur ganz speziell bei Städten und Ländern ohne Artikel. Also: Ich fahre nach Belgien und nach Frankreich, aber in die Schweiz.
Und dann gibt es noch: Ich gehe nach Hause.
„Nach Hause“ ist dabei eine feste Verbindung. Das sagst du einfach so, ohne Artikel.
Zeitlich bedeutet nach: „after“.
Nach der Arbeit gehe ich einkaufen.
Nach dem Essen rufe ich dich an.
Nach zwei Wochen war alles viel besser.
gegenüber
Okay. Dann kommt eine Präposition, bei der sogar Muttersprachler manchmal Fehler machen: gegenüber.
Gegenüber heißt: auf der anderen Seite. Oder auch: im Vergleich zu.
Ich stehe gegenüber dem Rathaus.
Oder: Ich stehe dem Rathaus gegenüber.
Beides ist korrekt. Im Alltag hörst du sogar sehr oft die Nachstellung – also: „gegenüber“ kommt erst nach dem Nomen: dem Rathaus gegenüber, er sitzt mir gegenüber.
Und falls du das Gefühl hast, dass du leider immer wieder Fehler machst, dann kann ich dich beruhigen: Auch wir Muttersprachler machen Fehler, besonders bei „gegenüber“. Viele verwenden hier fälschlicherweise den Genitiv, zum Beispiel: „gegenüber des Rathauses“.
Aber im Standarddeutsch gilt: gegenüber + Dativ. Also: gegenüber dem Rathaus oder dem Rathaus gegenüber.
entgegen
Als Nächstes kommt entgegen. Das ist nicht super häufig im Alltag, aber du hörst es immer wieder – und es ist ein Wort, das in Texten und Nachrichten öfter vorkommt.
Entgegen bedeutet hier: gegen einen Rat oder gegen eine Erwartung. Auf Englisch: contrary to.
Entgegen allen Ratschlägen ging er im T-Shirt zum Skifahren.
Entgegen meiner Erwartung war der Test ganz leicht.
Bis hierhin war „entgegen“ also: gegen einen Rat oder gegen eine Erwartung. Und jetzt kommt etwas, das du im Alltag wahrscheinlich sogar noch öfter hörst: „entgegen“ in der Bedeutung „auf jemanden zu“.
Ich komme dir entgegen.
Er lief mir entgegen.
Und daraus kommt eine sehr wichtige Wendung: jemandem entgegenkommen.
Das kann wörtlich sein – also wirklich „auf jemanden zugehen“. Aber sehr oft ist es übertragen gemeint: nachgeben, kulant sein, einen Kompromiss machen.
Kannst du mir preislich entgegenkommen?
Der Vermieter ist uns entgegengekommen.
Und auch hier hörst du den Dativ ganz klar: mir entgegen, uns entgegen, ihm entgegen.
gemäß
Machen wir weiter mit ein paar Präpositionen, die eher formell sind. Wenn du diese Wörter kennst, dann verstehst du plötzlich Sätze in Briefen, Behörden-Texten, Nachrichten – weil du diese Wörter erkennst.
Zum Beispiel: gemäß. Auf Englisch: according to.
Gemäß § 433 BGB ist der Verkäufer verpflichtet, dem Käufer die gekaufte Sache zu übergeben.
Das BGB ist das Bürgerliche Gesetzbuch. Das ist eines der wichtigsten Gesetzbücher in Deutschland – vor allem für alles, was mit privaten Verträgen zu tun hat. Also: kaufen, verkaufen, mieten, kündigen – solche Themen werden darin geregelt.
„Der Verkäufer“ ist auf Englisch: seller. „Der Käufer“ ist: buyer. Und „verpflichtet“ heißt: obliged – also: man muss etwas tun.
Noch ein paar Beispiele, damit du das Muster hörst:
Gemäß dem Vertrag muss die Zahlung bis Freitag auf dem Konto eingehen.
Gemäß den Regeln ist das hier nicht erlaubt.
Gemäß der Hausordnung sind Haustiere nicht gestattet.
Wenn dir „gemäß“ zu formell ist: Im Alltag sagt man auch „laut“ oder manchmal auch „nach“, je nach Kontext. Und „laut“ ist dabei nicht das Gegenstück zu „leise“. Du benutzt es, um zu sagen: Das steht so in einem Text.
Also: gemäß Paragraph, laut Paragraph oder nach Paragraph – das ist alles möglich.
entsprechend
Dann haben wir entsprechend. Das ist auch eine eher formelle Präposition – du findest sie zum Beispiel in E-Mails, Verträgen oder in offiziellen Texten.
Entsprechend bedeutet: „passend zu“ oder „in Übereinstimmung mit“. Auf Englisch: in accordance with.
Und hier ist das Wichtige: Bei „entsprechend“ sind zwei Satzstellungen möglich. Du kannst „entsprechend“ vor die Ergänzung stellen – oder hinter die Ergänzung.
entsprechend + Dativ (entsprechend steht vorne) Ich habe den Vertrag entsprechend dem Wunsch geändert. Wir handeln entsprechend den Regeln. Bitte verhalten Sie sich entsprechend den Anweisungen.
Dativ + entsprechend (entsprechend steht hinten)
Ich habe den Vertrag dem Wunsch entsprechend geändert.
Wir handeln den Regeln entsprechend. Bitte verhalten Sie sich den Anweisungen entsprechend.
Beides ist korrekt.
zufolge
Und dann haben wir zufolge. Das ist ebenfalls eher formell. Auf Englisch ist das: „according to“.
„Zufolge“ steht im Satz meistens hinten. Das hörst du sofort in diesen Beispielen:
Dem Wetterbericht zufolge wird es bald wärmer.
Der Studie zufolge schlafen viele Menschen zu wenig.
Einem Zeitungsbericht zufolge soll sich der Mann in Berlin aufhalten.
Du merkst: Erst kommt das, worauf man sich bezieht – Wetterbericht, Studie, Zeitungsbericht – und dann kommt „zufolge“.
Wenn du das übersetzen willst, kannst du es dir so vorstellen:„Dem Wetterbericht zufolge …“ = „According to the weather report …“
abgesehen von
Dann kommt abgesehen von. Das ist praktisch, wenn du sagen willst: „Im Großen und Ganzen ist alles okay, nur ein paar Kleinigkeiten nicht.“
Abgesehen von kleinen Schwierigkeiten läuft das Projekt gut.
„Abgesehen von“ ist aside from oder apart from.
Du kannst das übrigens auch im Alltag gut benutzen, wenn du über Arbeit, Organisation oder Termine sprichst:
Abgesehen von der Verspätung war die Reise eigentlich entspannt.
Abgesehen von diesem einen Punkt bin ich einverstanden.
samt / mitsamt
Und dann sind wir schon bei der letzten Präposition für heute: samt oder mitsamt.
Das klingt ein bisschen gehoben, ja – aber genau deshalb ist es ein Wort, das du sofort wiedererkennst, wenn du es einmal kennst.
Samt / mitsamt bedeutet: „mit allem, inklusive“ – und es betont, dass etwas komplett „mit dabei“ ist.
Sie ist samt Schuhen ins Wasser gesprungen. Also: nicht nur sie – die Schuhe auch.
Er kam mitsamt seiner Familie.
Das heißt: Er kam nicht allein, sondern wirklich alle waren dabei.
Du musst das Wort nicht jeden Tag benutzen. Aber wenn du es verstehst, ist das schon ein echter Gewinn – weil du solche Formulierungen in Texten oder in den Nachrichten immer mal wieder hörst oder liest.
So kannst du üben: Mach daraus deine eigenen Sätze
Jetzt kommt der Teil, der dir wirklich hilft – auch wenn du nur zwei Minuten Zeit hast.
Wähle fünf Präpositionen aus diesem Artikel, die du wirklich brauchst. Zum Beispiel: bei, zu, mit, seit, von.
Schreibe pro Präposition einen Satz über dein Leben:
Ich bin bei …
Ich gehe zu …
Ich fahre mit …
Ich lerne seit … Deutsch.
Von hier aus …
Und jetzt der wichtigste Schritt: Sag diese Sätze laut. Wirklich laut. Nicht nur im Kopf.
Wenn du das drei Tage hintereinander machst, passiert etwas sehr Gutes: Du musst beim Sprechen weniger überlegen, weil dein Gehirn das Muster schon kennt. Du baust dir sozusagen deine eigenen Standardsätze, die sich richtig anfühlen.
Abschluss
Das waren also Präpositionen, die wirklich immer den Dativ verlangen. Und du hast hoffentlich gemerkt: Es geht nicht darum, eine Liste auswendig zu lernen. Es geht darum, Sätze zu haben, die du wirklich benutzen kannst.
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