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„Es liegt an dir“ – legen, liegen, stellen und stehen im Alltag

Aktualisiert: 7. Aug.

Das passiert wahrscheinlich jeden Tag in irgendeiner deutschen Familie:

Ein Kind kommt nach Hause, stellt seine Schultasche im Flur an die Wand und geht in sein Zimmer. Für das Kind ist die Sache erledigt. Die Tasche steht ordentlich da. Sie fällt nicht um, blockiert nicht die Treppe, und am nächsten Morgen weiß man genau, wo sie ist.


Ein paar Stunden später ruft die Mutter:

„Wie oft soll ich dir noch sagen, dass du deine Tasche nicht im Flur herumliegen lassen sollst?“


Moment mal.


Die Tasche liegt doch gar nicht. Sie steht an der Wand. Das Kind hat sie schließlich dorthin gestellt.


Warum sagt die Mutter trotzdem, dass sie herumliegt?


Weil wir mit liegen und stehen nicht immer nur eine Position beschreiben. Manchmal zeigen diese Verben auch, wie wir eine Situation sehen. Für das Kind wurde die Tasche ordentlich abgestellt. Für die Mutter wurde sie nicht weggeräumt. Sie gehört nicht in den Flur, sie stört, und deshalb liegt sie dort herum. Auch wenn sie eigentlich noch aufrecht steht.


Kurz gesagt: Mit legen und stellen beschreiben wir meistens eine Handlung. Mit liegen und stehen beschreiben wir die Position danach. Im Alltag begegnen dir diese Verben aber auch in vielen festen Wendungen: Du legst Wert auf etwas, eine Verspätung liegt am Wetter, du stellst eine Entscheidung infrage oder stehst für Fragen zur Verfügung.


Und plötzlich sind die vier Verben doch nicht mehr ganz so einfach, wie sie im ersten Deutschkurs aussahen.


Hör dir die Podcastfolge an

Du möchtest die Beispiele auch hören? In der passenden Folge von Uplevel Your German erkläre ich, wie legen, liegen, stellen und stehen im gesprochenen Deutsch verwendet werden:




Legen oder liegen?


Fangen wir mit einem Gegenstand an, den ich persönlich immer wieder suchen muss: meinem Schlüssel.


Ich komme nach Hause und lege den Schlüssel auf die Kommode. Später liegt er dort.

Zumindest theoretisch. In der Realität hat ihn wahrscheinlich jemand an einen Ort gelegt, an dem ich niemals suchen würde.


Sprachlich ist die Sache aber klar:

Ich lege den Schlüssel auf die Kommode.

Der Schlüssel liegt auf der Kommode.


Bei legen passiert etwas. Jemand verändert die Position oder den Ort des Schlüssels.

Bei liegen beschreiben wir, wo er sich danach befindet.


Genauso funktioniert es mit einem Buch:

Ich lege das Buch auf den Tisch.

Jetzt liegt es auf dem Tisch.


Es hilft deshalb, die Verben nicht einzeln zu lernen, sondern immer als kleine Geschichte:


Ich lege etwas irgendwohin. Danach liegt es dort.


Ein typischer Fehler ist:

Falsch: Ich liege den Schlüssel auf den Tisch.

Richtig: Ich lege den Schlüssel auf den Tisch.


Du selbst kannst auf dem Sofa liegen. Ein Buch kann auf dem Tisch liegen. Aber wenn du die Position eines Gegenstands veränderst, legst du ihn irgendwohin.



Warum heißt es „auf den Tisch“, aber „auf dem Tisch“?


Bei diesen Verben verändert sich häufig auch der Fall:

  • Ich lege den Schlüssel auf den Tisch.

  • Der Schlüssel liegt auf dem Tisch.


Im ersten Satz fragst du:


Wohin lege ich den Schlüssel?

Der Schlüssel kommt an einen neuen Ort. Deshalb steht nach der Wechselpräposition auf der Akkusativ: auf den Tisch.


Im zweiten Satz fragst du:

Wo liegt der Schlüssel?

Jetzt beschreibst du nur noch die Position. Deshalb steht der Dativ: auf dem Tisch.


Dasselbe gilt zum Beispiel hier:

Ich lege die Jacke auf das Bett.

Die Jacke liegt auf dem Bett.


Oder:

Ich lege die Unterlagen in die Schublade.

Die Unterlagen liegen in der Schublade.


Beim spontanen Sprechen müssen also gleich mehrere Dinge stimmen: das Verb, die Präposition und der Fall. Kein Wunder, dass man dabei auch auf einem höheren Sprachniveau noch durcheinanderkommt.


Mehr über Wechselpräpositionen wie auf oder in kannst du hier nachlesen:



Stellen oder stehen?


Bei stellen und stehen ist die Grundidee ähnlich:

  • Ich stelle die Wasserflasche in den Kühlschrank.

  • Die Wasserflasche steht im Kühlschrank.


Stellen beschreibt die Handlung. Stehen beschreibt die Position danach.

Auch hier kannst du dir wieder eine kleine Geschichte merken:

Ich stelle etwas irgendwohin. Danach steht es dort.


Zum Beispiel:

Ich stelle die Tasche neben die Tür.

Die Tasche steht neben der Tür.


Und auch hier verändert sich der Fall:

  • neben die Tür – wohin? Akkusativ

  • neben der Tür – wo? Dativ


Legen und liegen verwenden wir häufig bei einer flachen oder waagerechten Position. Stellen und stehen passen oft zu einer aufrechten Position.


Aber ganz so zuverlässig ist diese Regel nicht.



Eine Flasche kann stehen oder liegen


Eine Flasche steht nicht automatisch immer.

Wenn im Kühlschrank wenig Platz ist, legst du sie vielleicht auf die Seite:

  • Ich lege die Flasche in den Kühlschrank.

  • Die Flasche liegt im Kühlschrank.


Jetzt hoffen wir nur, dass der Deckel wirklich fest zugeschraubt ist.


Auch ein Buch kann liegen oder stehen:

Das Buch liegt auf dem Schreibtisch.

Das Buch steht im Regal zwischen zwei anderen Büchern.


Und eine stabile Schultasche steht neben der Tür, bis sie umkippt. Danach liegt sie dort.

Nicht der Gegenstand allein entscheidet also über das Verb. Du beschreibst das Bild, das du tatsächlich vor dir siehst.

Zumindest meistens.



Warum Dinge herumliegen, obwohl sie stehen


Damit sind wir wieder bei der Schultasche aus der Einleitung.


Sie steht an der Wand. Trotzdem sagt die Mutter:

„Warum liegt deine Tasche hier schon wieder herum?“


Herumliegen, im gesprochenen Deutsch meistens rumliegen, beschreibt nicht unbedingt genau, ob ein Gegenstand waagerecht auf dem Boden liegt.


Wichtiger ist die Botschaft dahinter: Der Gegenstand wurde nicht weggeräumt. Er ist nicht dort, wo er hingehört. Vielleicht steht er im Weg oder sieht einfach unordentlich aus.


Vergleiche:

Die Tasche steht neben der Tür.

Das klingt neutral. Vielleicht soll sie genau dort stehen.


Die Tasche liegt hier schon seit drei Tagen rum.

Hier hörst du, dass jemand genervt ist.


Auch herumstehen kann diese Bedeutung haben:

Auf dem Schreibtisch stehen noch fünf leere Kaffeetassen rum.


Die Tassen stehen tatsächlich aufrecht. Aber darum geht es nicht. Die eigentliche Botschaft lautet: Jemand hätte sie längst in die Küche bringen sollen.


Rumliegen und rumstehen beschreiben also oft nicht nur eine Position. Sie enthalten gleichzeitig eine Bewertung.



Was bedeutet „Wert auf etwas legen“?


Bis jetzt konnten wir alles sehen: Schlüssel, Bücher, Flaschen, Taschen und Kaffeetassen.

Aber legen, liegen, stellen und stehen benutzen wir auch für Dinge, die man gar nicht anfassen kann.


Eine sehr häufige Wendung ist:

Wert auf etwas legen

Das bedeutet: Etwas ist einer Person besonders wichtig.

  • Meine Vermieterin legt großen Wert auf Ruhe im Haus.

  • Wir legen Wert auf selbstständiges Arbeiten.

  • Ich lege großen Wert auf einen freundlichen Umgang.


Der Ausdruck klingt meistens etwas stärker und formeller als Das ist mir wichtig.


Vergleiche:

  • Pünktlichkeit ist mir wichtig.

  • Ich lege großen Wert auf Pünktlichkeit.


Im zweiten Satz klingt Pünktlichkeit eher wie ein festes Prinzip. Zu einem Treffen mit dieser Person kommst du also besser nicht zwanzig Minuten zu spät.


Nach Wert legen auf steht der Akkusativ:

Ich lege Wert auf einen respektvollen Umgang.


Folgt ein ganzer Satz, benutzt du darauf, dass:

  • Ich lege Wert darauf, dass wir offen miteinander sprechen.

  • Die Firma legt Wert darauf, dass Termine eingehalten werden.



Was bedeutet „Es liegt an dir“?


Die Wendung es liegt an kann unterschiedliche Bedeutungen haben. Welche gemeint ist, erkennst du vor allem am Kontext und am Tonfall.


Das ist der Grund

  • Es liegt am Wetter, dass der Zug heute Verspätung hat.

  • Woran liegt das?


Hier bedeutet es liegt an:

Das ist der Grund.

Das ist die Ursache.


Nach an steht hier der Dativ:

Es liegt am Wetter.

Es liegt an der Technik.

Es liegt an einem Missverständnis.


Diese Person ist schuld

Stell dir eine Situation im Büro vor. Martin soll ein Projekt fertigstellen, ist aber schon spät dran.


Der Chef fragt:

„Warum ist das noch nicht fertig?“


Martin antwortet:

„Das liegt an Frau Müller aus der Finanzabteilung. Sie hat die Zahlen zu spät geschickt.“


Hier ist Frau Müller nicht einfach nur der sachliche Grund. Der Satz enthält auch einen Vorwurf: Sie ist schuld oder trägt zumindest einen Teil der Verantwortung.


Du kannst entscheiden

Jetzt fast dieselben Wörter, aber eine ganz andere Situation:

„Sollen wir uns am Dienstag oder am Mittwoch treffen?“

„Das liegt an dir.“


Diesmal bedeutet der Satz:

Du entscheidest.

Du kannst wählen.


Vier gleiche Wörter. Einmal ein Vorwurf, einmal eine freundliche Einladung, selbst zu entscheiden.


Und dann gibt es noch:

An mir liegt es nicht.


Das bedeutet zunächst:

Ich bin nicht der Grund, ich bin nicht schuld.


Im Büro klingt das allerdings selten vollkommen neutral. Häufig versucht jemand damit, die Verantwortung möglichst schnell von sich wegzuschieben.



Was bedeutet „etwas infrage stellen“?


Die Wendung etwas infrage stellen hörst du häufig in Diskussionen, im Beruf oder in den Nachrichten.


Sie bedeutet, dass du Zweifel an etwas hast.


Die neuen Ergebnisse stellen unsere bisherige Theorie infrage.

Vielleicht war die Theorie bisher überzeugend. Durch die neuen Ergebnisse ist man sich aber nicht mehr sicher, ob sie wirklich stimmt.


In einem Meeting kannst du sagen:

Ich möchte den ganzen Plan nicht infrage stellen, aber der Zeitplan erscheint mir sehr knapp.

Das klingt diplomatischer als:

Der Plan funktioniert nicht.

Du behauptest nicht, dass alles falsch ist. Du zeigst nur, dass du Zweifel hast.

Bei einer Person wird die Wendung schnell deutlich stärker:


Du stellst seine Kompetenz infrage.

Das heißt:

Du zweifelst daran, dass er kompetent ist.


Es macht deshalb einen großen Unterschied, ob du einen Zeitplan, eine Theorie oder die Fähigkeiten einer Person infrage stellst.



Wann sagt man „zur Verfügung stehen“?


Diese Wendung kennst du wahrscheinlich aus E-Mails:

Für Rückfragen stehe ich Ihnen gerne zur Verfügung.


Das bedeutet einfach:

Sie können sich bei mir melden, wenn Sie noch Fragen haben.


Die Formulierung ist höflich und recht formell. Du findest sie häufig in geschäftlichen E-Mails, bei Behörden, im Kundenservice oder in Bewerbungen.


Auch Dinge können zur Verfügung stehen:

  • Für das Meeting steht ein großer Raum zur Verfügung.

  • Uns steht nur wenig Zeit zur Verfügung.

  • Den Teilnehmern stehen mehrere Termine zur Verfügung.


Im privaten Gespräch klingt die Wendung dagegen oft unnötig offiziell.

Zu einer Freundin würdest du wahrscheinlich nicht sagen:

Für weitere Fragen stehe ich dir jederzeit zur Verfügung.


Natürlicher wäre:

  • Du kannst mich jederzeit fragen.

  • Sag einfach Bescheid, wenn du Hilfe brauchst.

  • Melde dich, wenn noch etwas ist.


Die Bedeutung ist ähnlich. Der Ton ist es nicht.



So lernst du die Verben leichter


Wenn du legen, liegen, stellen und stehen beim Sprechen durcheinanderbringst, hilft es oft wenig, die Regel zum zehnten Mal zu lesen.

Übe lieber immer zwei Sätze zusammen:


Ich lege das Handy auf den Tisch. Jetzt liegt es dort.

Ich stelle das Glas in den Schrank. Jetzt steht es dort.


So verbindest du die Handlung direkt mit dem Ergebnis.

Auch feste Wendungen solltest du möglichst als ganze Satzbausteine lernen:

  • Ich lege großen Wert darauf, dass …

  • Es liegt daran, dass …

  • Das liegt an dir.

  • Ich möchte das nicht infrage stellen, aber …

  • Für Rückfragen stehe ich Ihnen gerne zur Verfügung.


Dann musst du beim Sprechen nicht jedes Wort einzeln zusammensuchen.



Teste jetzt, ob du legen, liegen, stellen und stehen richtig unterscheiden kannst. Wähle in jedem Satz die passende Form aus.


Lösungen zur Übung anzeigen


Und jetzt ergänze diesen Satz für dich:

Ich lege großen Wert darauf, dass …


Zum Beispiel:

Ich lege großen Wert darauf, dass meine Kollegen offen mit mir sprechen.


Oder:

Ich lege großen Wert darauf, dass ich am Wochenende nicht arbeiten muss.


Sag deinen Satz einmal laut. So wird aus einer Wendung, die du verstehst, langsam eine Wendung, die du auch selbst benutzt.



Häufige Fragen zu legen, liegen, stellen und stehen


Wann benutzt man legen und wann liegen?

Legen beschreibt eine Handlung:

Ich lege das Buch auf den Tisch.

Liegen beschreibt die Position danach:

Das Buch liegt auf dem Tisch.

Stellen beschreibt eine Handlung:

Ich stelle die Flasche in den Kühlschrank.

Stehen beschreibt die Position danach:

Die Flasche steht im Kühlschrank.

Nein. Der Satz kann bedeuten:

Du entscheidest.

Er kann in einem anderen Kontext aber auch heißen:

Du bist der Grund.

Du bist schuld.

Der Tonfall und die Situation zeigen, welche Bedeutung gemeint ist.

Ja. Die Wendung wird häufig in geschäftlichen E-Mails, bei Behörden und im Kundenservice verwendet. Unter Freunden klingt Du kannst mich jederzeit fragen meistens natürlicher.



Legen, liegen, stellen und stehen im echten Alltag


Beim nächsten Mal steht vielleicht wieder eine Tasche im Flur, während jemand behauptet, sie liege dort herum.


Dann weißt du: Es geht nicht unbedingt darum, ob die Tasche aufrecht oder flach ist. Wahrscheinlich möchte einfach jemand, dass sie endlich weggeräumt wird.

Du kannst jetzt nicht nur besser unterscheiden, wann du legen, liegen, stellen oder stehen brauchst. Du kennst auch vier Wendungen, die dir im Alltag und im Beruf ständig begegnen:


Wert auf etwas legen, an etwas liegen, etwas infrage stellen und zur Verfügung stehen.


Beim Lesen verstehst du solche Sätze wahrscheinlich längst. Schwieriger ist es, sie im richtigen Moment selbst zu benutzen.


Genau an diesem Punkt hört der Podcast auf und der CharLingua Sprachclub fängt an. Dort übst du neue Wendungen in echten Gesprächen, bis du sie nicht mehr nur verstehst, sondern auch spontan verwenden kannst.


Du kannst den Sprachclub eine Woche lang ausprobieren und in Ruhe schauen, ob er zu dir passt.


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Hallo, ich bin Charlotte von Strotha!

 

Ich bin zertifizierte Lehrerin für Deutsch als Fremdsprache und unterrichte seit 2015 erwachsene Deutschlerner aus aller Welt.

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