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Deutsch mit Nachbarn: Ungeschriebene Regeln in Deutschland verstehen

Aktualisiert: 7. Aug.


Hausordnung, Ruhezeiten, Mülltrennung und Kehrwoche: Hier erfährst du, welche Regeln leicht zu Missverständnissen führen und wie du freundlich darauf reagieren kannst.


Deutsch mit Nachbarn: Hausordnung und ungeschriebene Regeln in Deutschland

Du kommst nach Hause und entdeckst einen Zettel an deiner Wohnungstür: „Bitte keine Schuhe im Treppenhaus!“


Oder du möchtest an einem Sonntagnachmittag ein Regal aufbauen, und kurz nachdem du die Bohrmaschine eingeschaltet hast, klingelt dein Nachbar.


Er sagt nur: „Heute ist Sonntag!“


Du verstehst jedes einzelne Wort. Trotzdem weißt du nicht genau, wie du reagieren sollst.


Hast du wirklich etwas falsch gemacht? Woher hättest du diese Regel kennen sollen? Und was kannst du antworten, ohne unfreundlich zu wirken oder sofort zuzugeben, dass dein Nachbar recht hat?


Solche Situationen erleben viele Menschen, die neu in Deutschland oder neu in einem Haus sind. Das Problem ist nicht, dass du zu wenig Deutsch kannst. Viele Regeln werden einfach nicht erklärt, weil sie für die anderen Bewohner ganz selbstverständlich sind.


Im ersten Teil von „Deutsch mit Nachbarn“ ging es darum, wie du im Treppenhaus ein Gespräch beginnen kannst, was du auf ein kurzes „Na?“ antwortest und wie du bei Paketen oder kleinen Gefallen reagierst.


In diesem zweiten Teil schauen wir uns die andere Seite der Nachbarschaft an: Hausordnung, Ruhezeiten, Mülltrennung, Schuhe vor der Wohnungstür und die berühmte Kehrwoche.


Kurz gesagt: In deutschen Mehrfamilienhäusern gelten neben allgemeinen Regeln oft eine eigene Hausordnung und örtliche Vorschriften. Du musst sie nicht alle vorher kennen. Wenn dir etwas unklar ist, frage freundlich nach, prüfe die Regel und suche nach einer konkreten Lösung.


Ein Satz, der dir in vielen Situationen helfen kann, ist:

  • „Entschuldigung, wie wird das hier im Haus normalerweise gemacht?“


Damit zeigst du, dass du die Regeln respektieren möchtest. Du sagst aber nicht automatisch, dass du etwas falsch gemacht hast.


Warum kleine Unterschiede schnell zu Missverständnissen führen

Vielleicht kennst du das englische Sprichwort „When in Rome, do as the Romans do.“

Auf Deutsch bedeutet es ungefähr:

  • „Wenn du in Rom bist, mach es wie die Römer.“


Als ich selbst im Ausland gelebt habe, habe ich mir diesen Satz oft gesagt. Ich wollte mich anpassen, beobachten und nicht erwarten, dass alles genauso funktioniert wie in Deutschland.


Das klingt zunächst einfach. Das Problem ist nur: Viele kleine Regeln sieht man gar nicht.

Du weißt vielleicht nicht, dass etwas in deinem Haus anders gemacht wird. Für deine Nachbarn ist es aber so selbstverständlich, dass sie gar nicht auf die Idee kommen, es dir zu erklären.


Genau dann entstehen Missverständnisse.


Vielleicht stellst du deine Schuhe ordentlich vor die Wohnungstür, weil du keinen Schmutz mit in die Wohnung nehmen möchtest. Deine Nachbarin sieht dieselben Schuhe und denkt, dass der Flur unordentlich aussieht.


Ihr findet beide Sauberkeit wichtig. Ihr habt nur eine andere Vorstellung davon, was ordentlich ist.


Oft möchte niemand absichtlich unhöflich oder rücksichtslos sein. Beide Seiten finden ihr eigenes Verhalten normal und verstehen deshalb zunächst nicht, warum die andere Person sich darüber ärgert.


Podcastfolge: Deutsch mit Nachbarn, Teil 2

In der Podcastfolge hörst du typische Situationen aus dem Alltag in einem deutschen Mehrfamilienhaus.

Du erfährst, was ein kleines Kehrwochenschild an deiner Wohnungstür bedeutet, warum Müll manchmal erstaunlich große Emotionen auslöst und was dein Nachbar mit dem Satz „Heute ist Sonntag“ wirklich sagen möchte.



Die Hausordnung: Regeln, die dir niemand persönlich erklärt


Viele Regeln für das Zusammenleben findest du in der Hausordnung.


Die Hausordnung ist eine Sammlung von Regeln für alle Menschen, die in einem Haus wohnen. Du bekommst sie häufig zusammen mit deinem Mietvertrag. Manchmal hängt sie auch im Eingangsbereich oder im Treppenhaus.


Darin kann zum Beispiel stehen, wann Ruhezeiten sind, wer das Treppenhaus reinigt, wo Fahrräder stehen dürfen oder wie gemeinschaftliche Räume genutzt werden. Hausordnungen können Teil des Mietvertrags sein und sollen das Zusammenleben in einem Mehrfamilienhaus regeln.


Viele Menschen legen die Hausordnung nach dem Einzug irgendwo ab und schauen nie wieder hinein.


Das kann ich gut verstehen. Eine Hausordnung gehört wahrscheinlich nicht zu den Texten, die man abends freiwillig zur Entspannung liest.


Trotzdem lohnt es sich, sie einmal durchzusehen. Gerade wenn du neu im Haus bist, findest du dort vielleicht Regeln, auf die du sonst erst aufmerksam wirst, wenn sich jemand beschwert.


Wenn die Sätze schwer zu verstehen sind, kannst du sie mit einem Übersetzungsprogramm übersetzen lassen. Bei wichtigen Punkten solltest du aber noch einmal beim Vermieter oder bei der Hausverwaltung nachfragen.


Du kannst zum Beispiel sagen:

  • „Ich habe diese Regel nicht ganz verstanden. Könnten Sie mir bitte erklären, was genau damit gemeint ist?“

  • „Gilt diese Regel für das ganze Haus?“

  • „Wo finde ich die aktuelle Hausordnung?“

  • „Wie wird das hier im Haus normalerweise gemacht?“


Die letzte Frage ist oft hilfreicher als:

  • „Wie macht man das in Deutschland?“


Denn es gibt nicht für jedes Haus in Deutschland dieselben Regeln. Manche Dinge unterscheiden sich je nach Region, Wohnort oder Hausgemeinschaft.


Dürfen Kinderwagen und Schuhe im Treppenhaus stehen?

Stell dir vor, dein Kinderwagen steht direkt vor deiner Wohnungstür.

Du denkst:

  • „Er steht an der Wand. Er stört doch niemanden.“


Dein Nachbar denkt vielleicht an den Fluchtweg. Das ist der Weg, den die Bewohner bei einem Feuer oder in einer anderen Gefahrensituation schnell benutzen müssen.

Vielleicht findet er aber auch einfach, dass im gemeinsamen Treppenhaus keine privaten Gegenstände stehen sollten. Möglicherweise steht dazu etwas in der Hausordnung.


Ob der Kinderwagen an dieser Stelle wirklich stehen darf, hängt von der konkreten Situation ab. Deshalb musst du nicht sofort davon ausgehen, dass dein Nachbar automatisch recht hat.


Du könntest zunächst sagen:

  • „Oh, das wusste ich nicht. Ich schaue noch einmal nach, was ich tun kann.“

  • „Ich frage noch einmal bei der Hausverwaltung nach, wo Kinderwagen stehen sollen.“


Damit bleibst du freundlich. Gleichzeitig gewinnst du Zeit, um dich zu informieren.


Bei Schuhen entsteht oft ein ähnliches Problem.


Vielleicht möchtest du deine Straßenschuhe nicht mit in die Wohnung nehmen. Deshalb stellst du sie ordentlich neben die Tür. Für dich ist das sauber und praktisch.


Ein Nachbar sieht jedoch drei Paar Schuhe im gemeinsamen Flur und denkt:

  • „Warum stehen die ständig hier draußen?“

  • „Das sieht unordentlich aus.“

  • „Darüber könnte jemand stolpern.“


Beide Personen möchten Ordnung. Sie meinen damit nur etwas anderes.



Was bedeutet Kehrwoche?


Wenn du im Südwesten Deutschlands wohnst, besonders in Baden-Württemberg, begegnet dir vielleicht das Wort „Kehrwoche“.


„Kehren“ ist ein anderes Wort für „fegen“. Du reinigst den Boden also mit einem Besen.


Bei der Kehrwoche sind die Bewohner eines Hauses abwechselnd dafür verantwortlich, gemeinschaftliche Bereiche zu reinigen. Das kann das Treppenhaus, der Hausflur oder der Bereich vor dem Haus sein. Bei dem traditionellen System wechselt die Zuständigkeit normalerweise regelmäßig zwischen den Bewohnern.


Oft hängt an der Wohnungstür der Person, die gerade an der Reihe ist, ein kleines Schild. Darauf steht „Kehrwoche“. Manchmal sieht man darauf einen Besen, einen Eimer oder eine freundlich gezeichnete Figur.


Das Schild kann deshalb fast wie eine Dekoration aussehen. Es bedeutet aber:

  • „Du bist dran.“


Ich bin in Stuttgart aufgewachsen. Für mich war die Kehrwoche deshalb lange etwas ganz Normales. Erst später habe ich gemerkt, dass selbst viele Deutsche aus anderen Regionen nicht wissen, was dieses Schild bedeutet.


Ich kenne sogar Geschichten von Deutschen, die nach Stuttgart gezogen sind und sich zunächst gewundert haben, wer ihnen dieses lustige Schild an die Tür gehängt hat.

Sie sind gar nicht auf die Idee gekommen, dass sie jetzt selbst das Treppenhaus reinigen sollen.


Daran siehst du: Auch Deutsche kennen nicht automatisch alle regionalen Regeln.

Was genau zu deiner Kehrwoche gehört, ist außerdem nicht überall gleich. Vielleicht musst du nur das Stockwerk vor deiner Wohnung reinigen. Vielleicht gehören auch die Treppen, der Keller oder der Hauseingang dazu.


Du kannst einfach fragen:

  • „Was gehört bei uns eigentlich alles zur Kehrwoche?“

  • „Muss ich nur unser Stockwerk reinigen oder auch die Treppe?“

  • „Wann soll die Kehrwoche normalerweise gemacht werden?“

  • „Wo finde ich den Besen und die anderen Sachen?“


Du musst dich nicht dafür schämen, dass du die Antwort nicht kennst. Wie sollst du eine regionale Tradition kennen, wenn sie dir vorher niemand erklärt hat?



Mülltrennung: Wenn aus einem kleinen Fehler ein großes Thema wird


Ein weiteres Thema, über das in Deutschland sehr leidenschaftlich diskutiert werden kann, ist die Mülltrennung.


Vielleicht ist dir das schon passiert: Du bringst den Müll nach unten, sortierst alles und denkst, damit ist die Sache erledigt.


Zwei Tage später hängt ein Zettel an den Tonnen:

  • „Bitte den Müll richtig trennen!“

  • „Das ist keine Restmülltonne!“

  • „Keine Plastiktüten in die Biotonne!“


Für manche Menschen ist Mülltrennung nicht nur eine praktische Aufgabe. Sie sehen sie als persönliche Verantwortung für die Umwelt und für die Hausgemeinschaft.

Deshalb können kleine Fehler erstaunlich starke Reaktionen auslösen.


Hinzu kommt, dass die Regeln nicht überall genau gleich sind. Welche Tonnen es gibt und was dort hineingehört, kann sich je nach Wohnort unterscheiden. Das Umweltbundesamt weist deshalb darauf hin, dass man die örtlichen Sammelsysteme beachten sollte.


Am besten suchst du nach:

  • Name deines Wohnortes + Mülltrennung

  • Name deines Wohnortes + Abfall-ABC

  • Name deines Wohnortes + Wertstoffhof


So findest du normalerweise die offiziellen Informationen für deinen Wohnort.


Besonders schwierig sind oft die Dinge, bei denen man zuerst denkt:

  • „Das ist doch klar.“


Ist eine Pizzaschachtel Papier oder Pappe? Vielleicht. Aber was ist, wenn sie voller Fett und Essensreste ist?

Darf eine Tüte in die Biotonne, wenn darauf „biologisch abbaubar“ steht?

Sind benutzte Papiertaschentücher Altpapier?

Und wohin kommen eigentlich Batterien oder ein kaputter Wasserkocher?


Du musst nicht jede Antwort auswendig kennen. Du solltest nur wissen, wo du nachsehen kannst.


Übrigens: Verpackungen für die Gelbe Tonne oder den Gelben Sack müssen normalerweise nicht extra ausgespült werden. Sie sollten vollständig leer, also restentleert, sein.


Wenn dich ein Nachbar auf einen Fehler hinweist, kannst du sagen:

  • „Danke für den Hinweis. Ich sehe noch einmal im Abfall-ABC unserer Stadt nach.“

  • „Könnten Sie mir bitte zeigen, in welche Tonne das gehört?“

  • „Ich bin noch nicht sicher, wie der Müll hier getrennt wird.“


Damit zeigst du, dass du die Regel ernst nimmst. Du musst aber nicht so tun, als hättest du sie schon immer kennen müssen.


Wenn du bei Papier, Biomüll oder der Gelben Tonne unsicher bist, findest du in meinem Artikel Mülltrennung in Deutschland einfach erklärt eine ausführliche Übersicht.



Ruhezeiten in Deutschland: Was bedeutet eigentlich leise?


Viele Menschen wissen, dass man nachts keine sehr laute Party feiern sollte. Unsicherheiten entstehen eher bei den kleinen Dingen.


Darfst du abends noch duschen? Darfst du auf dem Balkon sprechen? Darfst du samstags bohren? Und gelten an Sonn- und Feiertagen andere Regeln?


Darauf gibt es keine einzige Antwort, die überall in Deutschland gilt. Die genauen Ruhezeiten können vom Bundesland, von der Stadt oder Gemeinde und von der Hausordnung abhängen.


Häufig beginnt die Nachtruhe um 22 Uhr. Je nach Wohnort oder Hausordnung kann sie um 6 oder 7 Uhr enden. Manche Städte, Gemeinden oder Hausordnungen legen zusätzlich eine Mittagsruhe oder bestimmte Zeiten für laute Arbeiten fest.


Nachtruhe bedeutet aber nicht, dass du dich ab 22 Uhr nicht mehr bewegen darfst. Natürlich darfst du durch deine Wohnung gehen, duschen und dich mit deiner Familie unterhalten.


Laute Musik, Bohren, Möbelrücken oder eine längere Party können dagegen schnell zum Problem werden.


Auch samstags musst du genauer hinschauen. Samstag gilt rechtlich meistens als Werktag. Das bedeutet aber nicht, dass du zu jeder Uhrzeit laute Arbeiten machen darfst. Für bestimmte Geräte gelten feste Betriebszeiten, und die Hausordnung oder kommunale Regeln können zusätzliche Einschränkungen enthalten.


An Sonn- und Feiertagen sind die Regeln strenger. Bestimmte laute Geräte, zum Beispiel Rasenmäher, dürfen in Wohngebieten an diesen Tagen grundsätzlich nicht benutzt werden. Auch Bohren, Renovieren und andere vermeidbare laute Arbeiten solltest du an Sonn- und Feiertagen nicht einplanen.


Auch hier spielen Gewohnheiten eine große Rolle.


Vielleicht kommst du aus einem Land, in dem Menschen abends lange draußen zusammensitzen. Kinder spielen noch auf der Straße, Nachbarn unterhalten sich auf dem Balkon und um halb elf schaut niemand nervös auf die Uhr.


In einem deutschen Mehrfamilienhaus kann dieselbe Situation anders bewertet werden.

Das bedeutet nicht, dass eine Seite richtig und die andere falsch ist. Die Erwartungen an Lautstärke, Privatsphäre und gemeinschaftliche Räume sind einfach unterschiedlich.


Am sichersten ist es deshalb, die Hausordnung und die Informationen deiner Stadt oder Gemeinde zu prüfen. So weißt du, welche Regeln an deinem Wohnort tatsächlich gelten.



So kündigst du eine Feier bei deinen Nachbarn an


Wenn du eine Feier planst, ist es sinnvoll, deinen direkten Nachbarn vorher Bescheid zu sagen.


Du kannst klingeln und sagen:

  • „Wir feiern am Samstag Geburtstag. Es könnte am Abend etwas lauter werden.“

  • „Am Samstag kommen ein paar Freunde zu uns.“

  • „Falls es zu laut wird, sagen Sie bitte kurz Bescheid.“

  • „Wir machen die Musik später natürlich leiser.“


Damit zeigst du, dass du an deine Nachbarn denkst.


Die Ankündigung bedeutet allerdings nicht, dass du danach die ganze Nacht unbegrenzt laut sein darfst. Sie kann aber helfen, Überraschungen und unnötigen Ärger zu vermeiden.


Und vielleicht antwortet dein Nachbar einfach:

  • „Kein Problem. Viel Spaß bei der Feier!“



„Heute ist Sonntag!“ Was meint dein Nachbar damit?


Du hast die ganze Woche gearbeitet und willst endlich das neue Regal aufbauen.

Du schaltest die Bohrmaschine ein. Kurz danach klingelt es.


Dein Nachbar sagt:

  • „Heute ist Sonntag!“


Er möchte dich nicht über den Wochentag informieren.


Eigentlich meint er:

  • „Bitte hören Sie auf zu bohren.“

  • „Sonntags macht man hier keine lauten Arbeiten.“

  • „Ich möchte meine Ruhe haben.“


Mehr sagt er vielleicht nicht. Trotzdem erwartet er eine Reaktion.


Für bestimmte laute Geräte und Maschinen gelten in Wohngebieten konkrete Betriebszeiten. Geräte wie Rasenmäher dürfen an Sonn- und Feiertagen grundsätzlich nicht betrieben werden. Für Arbeiten in der Wohnung können zusätzlich die Hausordnung und örtliche Vorschriften eine Rolle spielen.


Du könntest antworten:

  • „Entschuldigung, daran habe ich nicht gedacht. Ich höre auf.“

  • „Oh, stimmt. Ich mache morgen weiter.“

  • „Danke für den Hinweis. Ich war fast fertig, aber ich höre jetzt auf.“


Du musst in diesem Moment keine lange Diskussion über Sonntagsregeln beginnen. Eine kurze Antwort reicht meistens.



Gemeinschaftsgarten und Grillen: Drei unbekannte Regeln auf einmal


Auch die Nutzung eines gemeinsamen Gartens kann genauer geregelt sein, als du erwartest.


Vielleicht gehört zu deinem Haus ein schöner Garten. Du siehst dort einen Tisch und denkst:


  • „Perfekt. Am Samstag grille ich hier mit meinen Freunden.“


Kaum hast du alles vorbereitet, steht eine Nachbarin vor dir und sagt:

  • „Das müssen Sie vorher in den Kalender eintragen.“

  • „Ein Kohlegrill ist bei uns nicht erlaubt.“

  • „Ab 22 Uhr darf niemand mehr im Garten sitzen.“


Das sind möglicherweise drei Regeln auf einmal, von denen du vorher nichts wusstest.


Vielleicht durftest du den Garten grundsätzlich benutzen. Du kanntest aber die Reservierungsregel oder die Vorschrift zum Grill nicht.


Bevor du eine größere Feier planst, kannst du deshalb fragen:

  • „Dürfen alle Bewohner den Garten benutzen?“

  • „Muss man sich vorher in einen Kalender eintragen?“

  • „Ist Grillen hier erlaubt?“

  • „Dürfen wir einen Kohlegrill benutzen?“

  • „Gibt es bestimmte Ruhezeiten für den Garten?“


So erfährst du die Regeln, bevor ein Konflikt entsteht.



Was kannst du sagen, wenn sich ein Nachbar beschwert?


Besonders in einer Fremdsprache kann eine unerwartete Beschwerde stressig sein.

Du möchtest höflich bleiben, aber dir fehlen plötzlich die passenden Wörter. Vielleicht fühlst du dich angegriffen und möchtest dich sofort rechtfertigen.


Das musst du nicht.


Du kannst zunächst zeigen, dass du zuhörst:

  • „Danke für den Hinweis.“

  • „Okay, ich verstehe, worum es geht.“

  • „Ich verstehe, dass Sie das stört.“


Damit sagst du noch nicht, dass dein Nachbar in allen Punkten recht hat. Du zeigst nur, dass du ihn verstanden hast.


Wenn du die Regel nicht kennst, kannst du sagen:

  • „Ich schaue noch einmal in der Hausordnung nach.“

  • „Ich prüfe, welche Regel hier gilt.“

  • „Ich frage bei der Hausverwaltung nach.“

  • „Könnten Sie mir bitte zeigen, wo das steht?“


Danach kannst du kurz erklären, was du jetzt tun wirst:

  • „Ich nehme die Schuhe erst einmal mit in die Wohnung.“

  • „Ich stelle den Kinderwagen an eine andere Stelle.“

  • „Wir machen die Musik jetzt leiser.“

  • „Ich kümmere mich darum und gebe Ihnen Bescheid.“


Du musst dich in diesem Moment nicht lange rechtfertigen. Meistens reicht es, wenn du ruhig sagst, was du als Nächstes tun wirst.



Solche Situationen vorher üben

Oft weißt du nach einem schwierigen Gespräch genau, was du gern gesagt hättest. Im Gespräch selbst waren die passenden Wörter aber plötzlich weg.

Im Sprachclub kannst du solche Alltagssituationen in Ruhe ausprobieren und hilfreiche Sätze aktiv benutzen. So fallen sie dir leichter ein, wenn du sie wirklich brauchst.



Was kannst du sagen, wenn dein Nachbar zu laut ist?


Natürlich kann es auch andersherum sein: Nicht dein Nachbar beschwert sich bei dir, sondern du fühlst dich durch Lärm gestört.


Vielleicht läuft spät am Abend sehr laute Musik. Vielleicht werden Möbel verschoben oder mehrere Menschen unterhalten sich laut auf dem Balkon.


Du möchtest etwas sagen, aber keinen großen Streit anfangen.


Beginne ruhig und beschreibe möglichst konkret, was dich stört:

  • „Entschuldigung, könnten Sie die Musik bitte etwas leiser machen?“

  • „Man hört die Musik leider sehr deutlich in unserer Wohnung.“

  • „Könnten Sie nach 22 Uhr bitte etwas leiser sein?“

  • „Unsere Kinder schlafen schon. Könnten Sie die Musik bitte leiser stellen?“

  • „Ich wollte erst einmal direkt mit Ihnen sprechen.“


Der letzte Satz ist besonders hilfreich. Du zeigst damit, dass du das Problem zunächst persönlich und ruhig klären möchtest.


Und wie überall gilt: Vermeide am Anfang allgemeine Vorwürfe wie:

  • „Sie sind immer so laut.“

  • „Sie nehmen nie Rücksicht.“

  • „Mit Ihnen gibt es ständig Probleme.“


Auch wenn du dich ärgerst, führen konkrete Beobachtungen meistens eher zu einer Lösung als ein Angriff auf die ganze Person.



Ein direkter Satz ist nicht immer unfreundlich


Manche Menschen sprechen sehr direkt.


Sie sagen vielleicht:

  • „Das gehört da nicht hin.“

  • „Heute ist Ruhezeit.“

  • „Sie müssen den Müll anders trennen.“

  • „Das ist hier nicht erlaubt.“


Das kann hart klingen. Vielleicht ist die Person tatsächlich verärgert. Es ist aber auch möglich, dass sie einfach immer so direkt spricht und nur auf eine Regel hinweisen möchte.


Du musst deshalb nicht jede Bemerkung sofort persönlich nehmen.

Freundlich zu reagieren bedeutet allerdings nicht, dass du alles akzeptieren musst.


Wenn jemand respektlos mit dir spricht, kannst du ruhig sagen:

  • „Ich verstehe, dass Sie sich ärgern. Wir können aber ruhig darüber sprechen.“

  • „Ich bin gern bereit, nach einer Lösung zu suchen.“



Typische Sätze für Gespräche mit Nachbarn


Diese Sätze kannst du in vielen verschiedenen Situationen verwenden:

  • „Oh, das wusste ich nicht.“

  • „Danke für den Hinweis.“

  • „Ich schaue noch einmal nach, welche Regel hier gilt.“

  • „Wie wird das hier im Haus normalerweise gemacht?“

  • „Könnten Sie mir bitte kurz erklären, worum es geht?“

  • „Wissen Sie, wo das in der Hausordnung steht?“

  • „Ich frage noch einmal bei der Hausverwaltung nach.“

  • „Ich kümmere mich darum.“

  • „Falls es wieder zu laut wird, sagen Sie bitte kurz Bescheid.“

  • „Könnten Sie die Musik bitte etwas leiser machen?“


Du musst in einer unangenehmen Situation keinen perfekten langen Satz bilden. Ein kurzer, ruhiger Satz ist oft die beste Antwort.


Warum du solche Gespräche vorher üben solltest


Vielleicht kennst du die Wörter „Hausordnung“, „Ruhezeit“ und „Mülltrennung“. In einem echten Gespräch mit einem verärgerten Nachbarn fehlen dir trotzdem plötzlich die passenden Sätze.


Das ist normal. Ein Wort, das du beim Lesen verstehst, steht dir beim Sprechen nicht automatisch sofort zur Verfügung.


Deshalb hilft es, solche Sätze nicht nur zu lesen, sondern laut auszusprechen und in einem Gespräch selbst zu benutzen.


Im CharLingua Sprachclub sprechen wir regelmäßig über kulturelle Unterschiede und typische Situationen aus dem Alltag in Deutschland.


Du kannst dort deine eigenen Erfahrungen teilen, neue Formulierungen ausprobieren und lernen, auch in unerwarteten Gesprächen ruhiger zu reagieren.

Regelmäßig Deutsch sprechen und spontaner reagieren >>>

Du kannst mit einer Testwoche starten.



Kleine Übung: Wie würdest du antworten?


Lies die Situationen und formuliere jeweils eine kurze Antwort. Sprich sie danach laut aus.


Situation 1

Dein Nachbar sagt:

  • „Die Schuhe dürfen hier nicht stehen.“

Eine mögliche Antwort:

  • „Oh, das wusste ich nicht. Ich nehme sie erst einmal mit in die Wohnung und schaue noch einmal in der Hausordnung nach.“


Situation 2

An deiner Tür hängt ein Schild mit einem Besen und dem Wort „Kehrwoche“.

Du könntest fragen:

  • „Entschuldigung, was gehört bei uns eigentlich alles zur Kehrwoche?“


Situation 3

Eine Nachbarin sagt, dass du deinen Müll falsch getrennt hast.

Eine mögliche Antwort:

  • „Danke für den Hinweis. Können Sie mir bitte zeigen, in welche Tonne das gehört?“


Situation 4

Du möchtest am Samstag deinen Geburtstag feiern.

Du könntest vorher sagen:

  • „Wir feiern am Samstag Geburtstag. Es könnte am Abend etwas lauter werden. Falls es Sie stört, sagen Sie bitte kurz Bescheid.“


Situation 5

Dein Nachbar beschwert sich über den Kinderwagen im Treppenhaus.

Eine mögliche Antwort:

  • „Ich verstehe. Ich prüfe noch einmal, welche Regel hier gilt, und frage bei der Hausverwaltung nach.“


Situation 6

Deine Nachbarn hören nach 22 Uhr sehr laut Musik.

Du könntest sagen:

  • „Entschuldigung, man hört die Musik leider sehr deutlich in unserer Wohnung. Könnten Sie sie bitte etwas leiser machen?“


Wähle zwei oder drei Formulierungen aus, die zu dir passen. Wenn du sie mehrmals laut aussprichst, fallen sie dir in einer echten Situation leichter ein.



Ungeschriebene Regeln muss man erst kennenlernen


Du musst nicht alle Regeln kennen, bevor du in ein neues Haus einziehst.

Selbst Deutsche kennen nicht jede regionale Tradition. Wer nicht aus dem Südwesten kommt, hat vielleicht noch nie von der Kehrwoche gehört. Wer in eine andere Stadt zieht, muss sich möglicherweise an ein neues System der Mülltrennung gewöhnen.

Es ist deshalb völlig normal, wenn du nicht alles sofort weißt.


Lies die Hausordnung einmal durch, informiere dich über die Regeln an deinem Wohnort und frage nach, wenn dir etwas unklar ist.


Und denke daran: Nicht jeder direkte Satz bedeutet automatisch, dass dein Nachbar unfreundlich ist. Vielleicht möchte die Person wirklich nur auf eine Regel hinweisen.

Wenn du irgendwann nach Hause kommst und ein kleines Schild mit einem Besen an deiner Wohnungstür entdeckst, weißt du jetzt jedenfalls: Es ist wahrscheinlich keine Dekoration.


Häufige Fragen zu Nachbarn und Hausregeln in Deutschland

Was kann ich sagen, wenn ich eine Regel nicht kannte?

Du kannst freundlich und neutral antworten:

  • „Oh, das wusste ich nicht. Ich schaue noch einmal nach, welche Regel hier gilt.“

Damit nimmst du den Hinweis ernst, ohne sofort zuzugeben, dass du etwas falsch gemacht hast.

Eine Hausordnung kann Ruhezeiten, die Reinigung des Treppenhauses, Müllentsorgung, Winterdienst und die Nutzung gemeinsamer Räume regeln. Die genauen Regeln unterscheiden sich von Haus zu Haus.

Bei der Kehrwoche reinigen die Bewohner eines Hauses abwechselnd gemeinschaftliche Bereiche. Dazu können das Treppenhaus, der Hauseingang oder der Bereich vor dem Haus gehören. Die Kehrwoche ist besonders im Südwesten Deutschlands bekannt.

Die Ruhezeiten sind nicht überall in Deutschland genau gleich. Die Regeln können vom Bundesland, von der Stadt oder Gemeinde und von der Hausordnung abhängen.


Häufig beginnt die Nachtruhe um 22 Uhr. Je nach Wohnort kann sie um 6 oder 7 Uhr enden. Manche Städte und Hausordnungen legen zusätzlich eine Mittagsruhe oder besondere Zeiten für laute Hausarbeiten fest.


Für Samstage gelten oft andere Regeln als für Sonn- und Feiertage. Bei vielen Geräten und Maschinen gelten samstags die normalen Werktagszeiten. Kommunale Vorschriften oder die Hausordnung können die erlaubten Zeiten aber weiter einschränken.


An Sonn- und Feiertagen gelten strengere Regeln. Bestimmte laute Geräte, zum Beispiel Rasenmäher, dürfen in Wohngebieten an diesen Tagen grundsätzlich nicht benutzt werden. Auch Bohren, Renovieren und andere vermeidbare laute Arbeiten solltest du an Sonn- und Feiertagen nicht einplanen.


Prüfe deshalb immer die Hausordnung und die Informationen deiner Stadt oder Gemeinde. Dort findest du die Regeln, die an deinem Wohnort tatsächlich gelten.

Beschreibe ruhig und konkret, was du hörst. Du kannst zum Beispiel sagen:

  • „Entschuldigung, man hört die Musik leider sehr deutlich in unserer Wohnung. Könnten Sie sie bitte etwas leiser machen?“

So sprichst du das Problem an, ohne die Person sofort anzugreifen.

Normalerweise nicht. Sie sollten vollständig leer, also restentleert, sein, müssen aber nicht extra ausgespült werden. Prüfe trotzdem die Informationen des Entsorgungsbetriebs an deinem Wohnort.

Laute Renovierungsarbeiten solltest du sonntags und an Feiertagen vermeiden. Welche Regeln für Arbeiten in deiner Wohnung gelten, kann zusätzlich in der Hausordnung oder in örtlichen Vorschriften stehen.

Du kannst deinen Vermieter, die Hausverwaltung oder einen Nachbarn fragen. Bei Fragen zur Mülltrennung findest du die offiziellen Informationen meistens auf der Webseite deiner Stadt, Gemeinde oder des örtlichen Entsorgungsbetriebs.




Quellen und weiterführende Informationen


Die Regeln können sich je nach Wohnort und Haus unterscheiden. Aktuelle Informationen findest du unter anderem beim Umweltbundesamt, beim Bundesministerium der Justiz, bei der Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg sowie auf der Webseite deiner Stadt oder Gemeinde.

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Hallo, ich bin Charlotte von Strotha!

 

Ich bin zertifizierte Lehrerin für Deutsch als Fremdsprache und unterrichte seit 2015 erwachsene Deutschlerner aus aller Welt.

Auf CharLingua erkläre ich Deutsch so, wie du es im Alltag wirklich hörst und brauchst – beim Smalltalk, im Beruf oder im Gespräch mit Nachbarn und Freunden.

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Hallo - schön, dass du da bist!

Ich bin Charlotte, deutsche Muttersprachlerin und zertifizierte Deutschlehrerin. Ich helfe Deutschlernern aus der ganzen Welt, selbstbewusst und fließend Deutsch zu sprechen.

 

Mehr als 380.000 Schüler aus aller Welt haben bei mir bereits im Privatunterricht, im Sprachclub, in Onlinekursen, in Gruppenkursen sowie auf Instagram, Facebook und durch meinen beliebten wöchentlichen Podcast "Uplevel Your German" Deutsch gelernt oder ihre Sprachkenntnisse verbessert.

 

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Charlotte von Strotha, Gründerin von CharLingua
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