Perfekt mit haben oder sein? – einfach erklärt
- Charlotte

- 9. Okt. 2025
- 6 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 5. Aug.
Zuletzt aktualisiert: 05. August 2026
Gestern haben wir uns mit Freunden getroffen und sind mit ihnen ins Kino gegangen.
Beide Verben stehen im Perfekt. Trotzdem heißt es:
„Wir haben uns getroffen.“
Aber:
„Wir sind ins Kino gegangen.“
Warum benutzt man einmal haben und einmal sein?
Die kurze Antwort lautet: Die meisten deutschen Verben bilden das Perfekt mit haben. Sein brauchst du vor allem bei Verben, die einen Ortswechsel oder eine Zustandsveränderung ausdrücken und kein Akkusativobjekt haben. Außerdem bilden einige besondere Verben wie sein, bleiben und werden das Perfekt mit sein.
Wichtig ist allerdings: Nicht jede Bewegung bedeutet automatisch, dass du sein verwenden musst. Es heißt zum Beispiel „Ich habe getanzt“, aber „Ich bin nach Hause gelaufen“.
In diesem Artikel lernst du die wichtigsten Regeln, typische Ausnahmen und eine einfache Strategie, mit der du meistens schnell das richtige Hilfsverb findest.
Hier kannst du die passende Episode im Uplevel Your German Podcast anhören:
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Wenn du in ein Grammatikbuch schaust, findest du wahrscheinlich viele Regeln:
Zuerst, wann du haben benutzt, und dann Regeln dazu, wann du sein benutzt.
Und ja – das kann auf den ersten Blick ziemlich entmutigend sein.
Ich erinnere mich noch, wie ich am Anfang meiner Unterrichtszeit selbst alle Regeln lernen musste. Ich sage die Formen natürlich automatisch richtig – aber zu erklären, warum, war gar nicht so einfach!
Genau deshalb sind auch viele meiner Grammatikartikel entstanden. Ich wollte verstehen, warum etwas funktioniert – und wie man es einfach erklären kann.
Und genau so war es auch beim Thema: Perfekt mit haben oder sein.
Was ist das Perfekt überhaupt?
Das Perfekt ist eine Vergangenheitsform.
Du benutzt es, wenn du über etwas sprichst, das schon passiert ist – also gestern, letzte Woche oder vor zehn Jahren.
Beispiel:
Ich habe gegessen.
Ich bin ins Kino gegangen.
Das Präteritum (ich aß, ich ging) findest du besonders häufig im geschriebenen Deutsch – in Büchern, Nachrichten oder Erzählungen.
Bei sein, haben und den Modalverben ist allerdings auch im Alltag oft das Präteritum natürlicher:
„Ich war müde.“
„Ich hatte keine Zeit.“
„Ich musste arbeiten.“
👉 Beim Sprechen: meistens Perfekt
👉 Beim Schreiben: häufig Präteritum
Bildung des Perfekts
Das Perfekt bildest du mit:
haben oder sein + Partizip II
Beispiele:
Ich habe gearbeitet.
Ich bin gekommen.
Das Partizip II ist die Form, die oft mit ge- beginnt und auf -t oder -en endet: z. B. gearbeitet, gekommen, passiert, geschlafen.
Konjugation von haben und sein
Zur Wiederholung:
haben | sein |
ich habe | ich bin |
du hast | du bist |
er/es/sie hat | er/es/sie ist |
wir haben | wir sind |
ihr habt | ihr seid |
sie haben | sie sind |
Das Partizip II bleibt gleich – nur das Hilfsverb verändert sich.
Beispiel:
👉 Sie hat gearbeitet.
👉 Er ist gekommen.
Hier findest du die wichtigsten unregelmäßigen (= starken) Verben auf einen Blick:
💡 Wie du dir das System merken kannst
Die große Mehrheit der deutschen Verben bildet das Perfekt mit haben.
Nur eine kleine Gruppe benutzt sein.
Diese sein-Verben hörst du aber trotzdem oft, weil sie sehr häufig vorkommen: gehen, kommen, fahren, aufstehen …
Wenn du diese kleine Gruppe kennst, dann weißt du automatisch:
👉 In den meisten anderen Fällen verwendest du haben.

🚶 Verben mit sein
1️⃣ Intransitive Verben der Fortbewegung
Das klingt kompliziert, ist aber ganz einfach: Fortbewegung bedeutet, dass sich jemand oder etwas von einem Ort zu einem anderen bewegt.
Typische Verben sind:
gehen, kommen, fahren, fliegen, laufen, schwimmen, rennen, steigen …
👉 Beispiele:
Ich bin nach Hause gegangen.
Er ist nach Berlin gefahren.
Wir sind in die Türkei geflogen.
In allen Sätzen bewegt sich die Person von einem Ort zum anderen. Und genau deshalb brauchst du im Perfekt sein.
Was bedeutet „intransitiv“?
Ein intransitives Verb kann kein Akkusativobjekt haben.
Du kannst also nicht fragen: Wen oder was?
Beispiel:
Ich gehe. (⚠ Wen oder was gehe ich? – funktioniert nicht!)
Ich komme. (⚠ Wen oder was komme ich? – auch nicht!)
Diese Verben funktionieren allein, ohne ein direktes Objekt.
Und genau diese intransitiven Bewegungsverben bilden das Perfekt mit sein.
2️⃣ Intransitive Verben der Zustandsveränderung
Die zweite Gruppe sind Verben, bei denen sich ein Zustand verändert –
also: Etwas war vorher so, und danach anders.
Beispiele:
Das Baby ist eingeschlafen. (von wach → schlafend)
Max ist aufgestanden. (von liegend → stehend)
Das Mädchen ist gewachsen. (von klein → groß)
Thomas ist krank geworden. (von gesund → krank)
Auch hier gilt: kein Akkusativobjekt (also sind die Verben intransitiv)
klare Veränderung = sein im Perfekt.
3️⃣ Ereignisverben
Ereignisverben beschreiben etwas, das einfach passiert – ohne dass jemand aktiv etwas tut.
Sie drücken also ein Geschehen aus.
Typische Beispiele:
Es ist passiert.
Es ist geschehen.
Es ist vorgekommen.
Alle bedeuten etwa: It happened.
👉 Auch Verben wie gelingen und misslingen gehören in diese Gruppe:
Der Plan ist gelungen.
Der Versuch ist misslungen.
Diese Verben beschreiben also kein Handeln, sondern ein Ereignis, das von selbst passiert.
4️⃣ Die Klassiker: sein, bleiben, werden
Diese drei Verben bilden immer das Perfekt mit sein:
sein → Ich bin in München gewesen.
bleiben → Ich bin zu Hause geblieben.
werden → Er ist Polizist geworden.
Alle anderen Verben: haben
Wenn du die Regeln für sein kennst, dann ist alles andere ganz einfach:
👉 Alle anderen Verben stehen mit haben.
Das sind:
transitive Verben
reflexive Verben
Modalverben
die meisten unpersönlichen Verben
viele intransitive Verben mit Dativ- oder Präpositionalergänzung
a) Transitive Verben
Ein transitives Verb kann ein Akkusativobjekt haben.
Du kannst also fragen: Wen? oder Was?
Beispiele:
Ich habe das Buch gelesen.
Wir haben einen Film gesehen.
Die Kinder haben den Schlüssel gesucht.
Hier passiert zwar etwas, aber es gibt keinen Ortswechsel und keine Zustandsänderung.
Darum: Perfekt mit haben.
b) Reflexive Verben
Reflexive Verben sind Verben mit sich:
sich freuen, sich treffen, sich beeilen.
👉 Beispiele:
Ich habe mich geduscht.
Wir haben uns getroffen.
Er hat sich beeilt.
Diese Verben stehen immer mit haben.
Ganz einfach zu merken: Reflexiv = haben.
c) Modalverben
Modalverben (können, müssen, dürfen, wollen, sollen) brauchen im Perfekt ein zweites Verb im Infinitiv.
👉 Beispiele:
Ich habe arbeiten müssen.
Er hat gehen wollen.
Auch hier steht das Hilfsverb haben.
d) Unpersönliche Verben
Das sind Verben mit es als Subjekt – oft Naturereignisse oder Situationen.
Wetterverben bilden das Perfekt meistens mit haben.
Beispiele:
Es hat geschneit.
Es hat geregnet.
Es hat geblitzt.
Genauso:
Es hat geklopft.
e) Viele intransitive Verben mit Dativ- oder Präpositionalergänzung
Diese Verben haben kein Akkusativobjekt, aber sie brauchen trotzdem ein anderes Element – zum Beispiel ein Dativobjekt oder eine Präposition.
Das Verb selbst bleibt aber intransitiv, weil es kein Akkusativobjekt haben kann.
Beispiele:
Ich habe dem Freund geholfen.
Ich habe auf den Bus gewartet.
Ich habe mit ihm gesprochen.
Hier gibt es keinen Ortswechsel und keine Zustandsänderung – also haben. Aber Vorsicht: Ein Dativobjekt bedeutet nicht automatisch, dass du haben brauchst. Einige intransitive Verben mit Dativ bilden das Perfekt mit sein, zum Beispiel begegnen und folgen:
Ich bin ihm begegnet.
Der Hund ist mir gefolgt.
Und falls du die unregelmäßigen (= starken) Verben auf einen Blick sehen möchtest, kannst du dir hier dein PDF herunterladen:
Fazit: So merkst du dir die Regeln leicht
Beim Perfekt mit haben oder sein musst du dir vor allem die kleinere Gruppe der Verben mit sein merken. Denn: Die meisten deutschen Verben bilden das Perfekt mit haben.
Sein benutzt du vor allem bei intransitiven Verben, die einen Ortswechsel oder eine Zustandsveränderung ausdrücken.
Zum Beispiel:
Ich bin nach Hause gegangen.
Das Baby ist eingeschlafen.
Außerdem bilden einige häufige Verben wie sein, bleiben und werden das Perfekt mit sein.
Als einfache Grundregel kannst du dir merken:
👉 Ortswechsel oder Zustandsveränderung ohne Akkusativobjekt: meistens sein
👉 In den meisten anderen Fällen: haben
Bei einigen Verben hängt das Hilfsverb von der Bedeutung und vom Kontext ab. Für die meisten Alltagssituationen hilft dir diese Grundregel aber sehr gut weiter.
Wenn du die kleine Gruppe der Verben mit sein kennst, musst du dir für haben keine lange zusätzliche Regelliste merken.
Ich hoffe, das Thema ist jetzt klarer für dich und du fühlst dich sicherer, wenn du Sätze im Perfekt bildest.
Häufige Fragen zum Perfekt mit haben oder sein
Wann benutzt man im Perfekt haben und wann sein?
Die meisten Verben bilden das Perfekt mit haben. Sein verwendet man vor allem bei intransitiven Verben, die einen Ortswechsel oder eine Zustandsveränderung ausdrücken, sowie bei sein, bleiben, werden und einigen Ereignisverben.
Welche drei besonders häufigen Verben bilden das Perfekt mit sein?
Die Verben sein, bleiben und werden bilden das Perfekt mit sein: „Ich bin gewesen“, „Ich bin geblieben“ und „Ich bin müde geworden“.
Warum heißt es „ich bin gegangen“, aber „ich habe getanzt“?
„Gehen“ beschreibt normalerweise einen Ortswechsel. „Tanzen“ beschreibt zunächst nur eine Aktivität. Nicht jede körperliche Bewegung führt deshalb automatisch zum Hilfsverb sein.
Bilden reflexive Verben das Perfekt mit haben oder sein?
Reflexive Verben bilden das Perfekt mit haben: „Ich habe mich beeilt“, „Wir haben uns getroffen“ und „Sie hat sich gefreut“.
Heißt es „ich bin gefahren“ oder „ich habe gefahren“?
Beides ist möglich, aber in unterschiedlichen Satzstrukturen. Ohne Akkusativobjekt heißt es meistens: „Ich bin nach Hause gefahren.“ Bei einem transitiven Gebrauch steht haben: „Ich habe das Auto in die Garage gefahren.“
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