Und zwar oder zwar … aber: der Unterschied (einfach erklärt)
- Charlotte

- vor 19 Stunden
- 6 Min. Lesezeit
Das Wort zwar ist eines dieser kleinen Wörter, die für alle, die Deutsch lernen, echt schwierig sein können. Und das, obwohl „zwar“ weder konjugiert noch dekliniert wird und auch nicht maskulin, feminin oder neutral ist.
Das Problem ist: „zwar“ kann je nach Kontext zwei ganz verschiedene Dinge bedeuten.Wir haben einmal und zwar. Und dann gibt es noch eine zweite Konstruktion, die ganz anders funktioniert: zwar … aber.
Deswegen erkläre ich dir heute ich die Bedeutungen von und zwar und zwar … aber – ganz einfach und mit vielen Beispielen.
Wenn du das einmal sauber trennst, wirst du „zwar“ plötzlich überall hören, du wirst es endlich verstehen – und du wirst dich viel sicherer fühlen.
1) Und zwar: wenn du genauer wirst
Und zwar bedeutet so etwas wie genauer gesagt oder manchmal auch nämlich.Auf Englisch passt oft: more precisely oder to be specific.
Dabei wirkt und zwar wie ein kleiner Pfeil: Du sagst zuerst etwas Allgemeines – und dann zeigst du auf das Detail.
Beispiele aus dem Alltag
„Ich habe mir ein Buch gekauft – und zwar eine Biographie über Goethe.“ Erst kommt die grobe Information: ein Buch. Und dann wird es konkret: welches Buch genau?
„Meine Tante wohnt in Norddeutschland – und zwar in der Nähe von Hannover.“ Norddeutschland ist groß. „Und zwar“ macht es genauer.
Du brauchst einen Arzttermin und rufst in der Praxis an. Dort gibt es mehrere Ärzte. Dann kannst du sagen:„Ich möchte einen Termin vereinbaren – und zwar möchte ich einen Termin mit Frau Dr. Meier.“ So stellst du klar: Es soll nicht irgendein Arzt sein, sondern genau diese Ärztin.
Du triffst dich mit Freunden – und als du ankommst, haben sie gerade eine Flasche Prosecco aufgemacht. Du fragst: „Gibt es heute was zu feiern?“ Und deine Freunde antworten: „Ja – und zwar Annas Beförderung!“
In vielen Beispielen kann man „und zwar“ auch weglassen – der Satz bleibt richtig. Aber: Mit „und zwar“ machst du diesen einen Punkt wichtiger.
Vergleich:
„Ja – Annas Beförderung.“
„Ja – und zwar Annas Beförderung!“
Das klingt einfach ein bisschen „pointierter“.
Noch eine typische Situation: beim Arzt
Du sitzt beim Arzt, und er fragt: „Wie kann ich Ihnen helfen?“ Und du antwortest:
„Ich habe Schmerzen im Fuß – und zwar genau hier.“
In diesem Moment ist „und zwar“ wie: Ich zeige Ihnen jetzt den Punkt.
2) Und zwar als Frage: Und zwar?
Vielleicht hast du „und zwar“ auch schon mal als Frage gehört.Ich finde diese Frage wirklich praktisch, weil sie so kurz und präzise ist:
„Und zwar?“
Das bedeutet im Grunde: Was genau? Welche genau?
Auf Englisch: what exactly?
Beispiele
Jemand sagt:
„Ich hatte heute Morgen gleich drei Probleme mit meinem Auto.“
Dann fragst du einfach:
„Und zwar?“
Also: Erzähl mir die Details.
Oder du bist zu Hause und möchtest etwas zu essen bestellen. Dein Sohn überlegt:
„Okay. Ich nehme eine Pizza.“
Jetzt kann ich natürlich fragen: „Was für eine Pizza?“ Oder ich sage einfach:
„Und zwar?“
Und dann kommt vielleicht:„Eine Margherita.“
So benutzen wir das im Alltag wirklich oft – weil es so schön schnell und einfach ist.
3) Und zwar in Aufforderungen: freundlich oder streng
Und zwar benutzen wir auch in Aufforderungen.
Stell dir vor: Auf der Straße ist ein Unfall passiert. Die Polizei kommt, und eine Polizistin sagt zu einem Zeugen, also zu jemandem, der den Unfall gesehen hat:
„Beschreiben Sie bitte, was passiert ist – und zwar ganz genau.“
Hier ist das einfach sachlich: Die Polizistin will es wirklich verstehen.
Aber so eine Aufforderung mit „und zwar“ kann auch strenger werden – vor allem mit Wörtern wie sofort, jetzt, ordentlich.
Das sind typische Eltern-Sätze:
„Komm nach Hause – und zwar sofort!“
„Du machst deine Hausaufgaben – und zwar jetzt!“
„Du schreibst den Text nochmal ab – und zwar ordentlich!“
Du merkst: Das ist nicht mehr ein freundlicher Vorschlag.Das ist eher: Du machst das jetzt wirklich.

4) Zwar … aber: ja, stimmt … aber …
Kommen wir zur zweiten Variante: zwar … aber.
Die ist etwas schwieriger, weil man „zwar“ meistens nicht so direkt übersetzen kann.
Wenn du zwar … aber benutzt, bedeutet das oft:
Ja, das stimmt … aber …
Auf Englisch passt häufig: It’s true that … but …
Beispiele
„Ich habe zwar keine Lust aufzuräumen, aber wir bekommen morgen Besuch.“
Du gibst zu: Du hast keine Lust. Und dann kommt die Realität: Besuch.
„Das Leben von Goethe ist zwar interessant, aber die Biographie ist sehr langweilig.“
„Das Buch war zwar nicht teuer, aber es war gebraucht und in keinem guten Zustand.“
In diesen Sätzen könntest du „zwar“ auch weglassen:
„Das Leben von Goethe ist interessant, aber die Biographie ist sehr langweilig.“
„Das Buch war nicht teuer, aber es war gebraucht und in keinem guten Zustand.“
Der Satz bleibt richtig. Aber er klingt anders.
5) Warum zwar so einen Effekt hat
Wenn du „zwar“ sagst, passiert im Kopf des Hörers etwas.
Du sagst einen Satz – und der Hörer denkt automatisch:
Okay … da kommt gleich ein „aber“.
Zwar hat also einen psychologischen Effekt: Es baut eine Spannung auf.
„Das Leben von Goethe ist interessant.“
Das klingt wie eine vollständige Information.
Mit „zwar“ klingt es anders:
„Das Leben von Goethe ist zwar interessant …“
Und jetzt wartet der Zuhörer auf das „aber“.
Das ist besonders wichtig, wenn wir lange Sätze haben, zum Beispiel:
„Zwar ist das Leben von Goethe interessant, und ich habe viele seiner Werke gelesen – zum Beispiel: Faust ist einfach großartig … aber …“
Du hast einen langen Satz – und jeder weiß: Jetzt kommt gleich noch ein Kontrast.
Das bedeutet: Wenn du „zwar“ weglässt, ist der Satz nicht falsch. Er klingt nur anders.
Noch ein Beispiel:
„Leon nervt wirklich. Er hat zwar keine Ahnung, aber er muss immer seinen Senf dazu geben.“ (= etwas dazu sagen.)
Hier betont „zwar“ den Widerspruch nochmal: Er hat keine Ahnung – aber er sagt trotzdem ständig etwas dazu.
6) Wo steht zwar im Satz?
Vielleicht denkst du jetzt:
„Okay, verstanden. Aber wo packe ich dieses zwar hin?“
Und ich verspreche dir: Du musst dir dafür keine zehn Regeln merken.
Für den Alltag reicht eine ganz einfache Orientierung:
Zwar steht sehr oft nach dem konjugierten Verb.
Nehmen wir den Satz:
„Ich muss den Test am Montag schreiben, aber das Ergebnis bekomme ich erst in drei Wochen.“
Im Normalfall kommt „zwar“ nach dem konjugierten Verb:
„Ich muss zwar den Test am Montag schreiben, aber das Ergebnis bekomme ich erst in drei Wochen.“
Genauso normal klingt:
„Ich muss am Montag zwar den Test schreiben, aber das Ergebnis bekomme ich erst in drei Wochen.“
Zwar kann auch am Satzanfang stehen:
„Zwar muss ich den Test am Montag schreiben, aber das Ergebnis bekomme ich erst in drei Wochen.“
Das ist im gesprochenen Deutsch vielleicht nicht ganz so häufig.
Und es gibt noch eine Möglichkeit:
„Ich muss den Test am Montag zwar schreiben, aber das Ergebnis bekomme ich erst in drei Wochen.“
Hier wird das Schreiben betont – also: Ich schreibe die Prüfung zwar, aber das ist noch nicht das Ende der Geschichte (zum Beispiel, weil das Ergebnis erst später kommt).
Im Alltag hörst du „zwar“ nach dem konjugierten Verb am häufigsten.
7) Zwar mit Pronomen: Ich kenne ihn zwar …
Wenn im Satz ein Pronomen vorkommt (ihn, ihr, es …), dann kommt „zwar“ oft nach dem Pronomen.
Zum Beispiel:
„Ich kenne ihn zwar nicht persönlich, aber ich habe von ihm gehört.“
„Der Kellner hat ihr zwar einen Kaffee angeboten, aber sie wollte nichts trinken.“
„Ich habe es zwar bestellt, aber es ist noch nicht angekommen.“
Achte einfach mal darauf.
Wenn du „zwar“ ein paar Mal gehört hast, bekommst du ein Gefühl dafür.
8) Noch einmal ganz klar: zwei Dinge, zwei Funktionen
Bevor wir zum Ende kommen, fasse ich dir das nochmal zusammen.
Und zwar: du machst etwas genauer
„Ich habe einen Termin – und zwar bei Dr. Meier.“
„Ich habe mir ein Buch gekauft – und zwar eine Biographie.“
Zwar … aber: du sagst erst, wie etwas ist – und dann kommt die Einschränkung
„Ich habe zwar einen Termin, aber ich muss ihn absagen.“
„Das Auto war zwar günstig, aber es war in schlechtem Zustand.“
Und wenn du ab jetzt „zwar“ hörst, frag dich einfach:
Ist es und zwar? Dann kommt wahrscheinlich ein Detail.
Hörst du erst nur zwar? Dann kommt wahrscheinlich gleich ein Kontrast.
Ich hoffe, dieser Beitrag hat dir geholfen, dieses kleine Wort zwar besser einzuordnen.
und zwar ist dein Werkzeug für Details.
zwar … aber ist dein Werkzeug für Einschränkungen und Kontraste.
Wenn du möchtest, kannst du dir im Alltag einmal vornehmen, darauf zu achten, wie oft Muttersprachler „und zwar“ benutzen – du wirst es wirklich ständig hören.
Häufige Fragen:
Was bedeutet und zwar? Und zwar bedeutet „genauer gesagt“ oder „nämlich“. Es kündigt an, dass jetzt ein Detail oder eine Präzisierung folgt.
Was bedeutet zwar … aber?
Zwar … aber bedeutet „ja, stimmt … aber …“. Du sagst erst etwas, und danach kommt eine Einschränkung oder ein Kontrast.
Wo steht zwar im Satz? Im Alltag steht zwar sehr oft nach dem konjugierten Verb: „Ich habe zwar …, aber …“. Es kann auch an anderen Stellen stehen, aber das ist die sichere Standardposition.
Was heißt Und zwar? als Frage?
„Und zwar?“ bedeutet „Was genau?“ oder „Welche genau?“. Es ist eine kurze Nachfrage nach Details.
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