128: Deutsch im Alltag: 15 Sätze, die du wirklich brauchst (B1+)
- Charlotte

- vor 1 Tag
- 8 Min. Lesezeit
Heute gebe ich dir 15 Sätze, die du im Alltag in Deutschland immer wieder hörst. Und wenn du sie selbst verwendest, klingst du gleich viel natürlicher.

Das Gute ist: Du kannst dir diese Sätze im Ganzen merken – als Chunk. Dann musst du nicht jedes Mal neu überlegen, was du in so einer typischen Situation sagen könntest. Du hast den Satz schon parat – und er kommt automatisch.
Hier kannst du die passende Episode im Uplevel Your German Podcast anhören:
Inhalt
1) Ich bin total durch den Wind
2) Das hat mir gerade noch gefehlt
3) Lass uns einen Puffer einbauen
4) Hast du das auf dem Schirm?
7) Hab dich nicht so / Stell dich nicht so an
10) Könntest du mir einen Gefallen tun? / Darf ich dich um einen Gefallen bitten?
14) Wo war ich stehen geblieben? / Ich habe den Faden verloren
1) „Heute bin ich total durch den Wind.“
Draußen ist es heute windig – das bedeutet ganz klar: Der Wind weht.
Aber wenn ich sage: „Ich bin völlig durch den Wind“ – was bedeutet das?
Bin ich durch den Wind gelaufen und meine Haare sind durcheinander?
Naja, vielleicht ist das auch passiert. Aber „völlig durch den Wind sein“ bedeutet:
Es geht mir nicht so gut. Ich bin nicht ganz ich selbst. Ich fühle mich nicht klar im Kopf.
Das kann der Fall sein, wenn etwas passiert ist.
Beispiel:
Nina hatte heute Morgen einen Autounfall. Es war zum Glück nur ein Blechschaden – also: Nur das Auto ist ein bisschen kaputt. Aber danach war sie total durch den Wind.
Aber es muss nicht immer dramatisch sein.
Basti hat heute Migräne. Er kann sich nicht konzentrieren. Erst hat er seinen Geldbeutel zu Hause vergessen und dann die falsche U-Bahn genommen.
Er sagt: „Heute bin ich total durch den Wind.“
2) „Das hat mir gerade noch gefehlt!“
Dabei hat Basti doch nächste Woche eine wichtige Präsentation! Er stöhnt:
„Ausgerechnet jetzt – das hat mir gerade noch gefehlt!“
Haben ihm die Kopfschmerzen wirklich gefehlt? Natürlich nicht. Das ist ironisch gemeint.
Du bist in Eile – und dann kommt ein Stau. Oder ein wichtiger Anruf.
Du bist genervt und denkst: „Nein, nicht auch noch das. Das muss doch jetzt nicht sein!“
Und genau dann sagst du:
„Das hat mir gerade noch gefehlt!“
Du kannst das auch über eine Person sagen.
Dein Tag im Büro war anstrengend, aber jetzt bist du mit Freunden im Restaurant. Plötzlich setzt sich dein Chef an den Nachbartisch.
Dann kannst du sagen:
„Oh nein, der hat mir gerade noch gefehlt.“
Oder: „Das hat mir gerade noch gefehlt, dass der jetzt hier auftaucht!“
3) „Lass uns einen Puffer einbauen.“
Okay, du willst schnell irgendwohin fahren – und dann kommt ein Stau.
Bei mir passiert das immer genau dann, wenn ich keinen Puffer eingebaut habe.
Ein Puffer ist eigentlich eine Federung – etwas, das einen starken Aufprall abfängt. Auf Englisch ist das the buffer.
Du kannst dir aber auch einen zeitlichen Puffer einbauen, damit du nicht zu spät kommst.
Zum Beispiel: Der Weg dauert eine halbe Stunde. Aber vielleicht habe ich unterwegs Stau, oder im letzten Moment kommt ein Anruf, oder ich finde keinen Parkplatz. Also baue ich einen Puffer von 10 oder 15 Minuten ein.
Du weißt ja: Pünktlichkeit ist in Deutschland sehr wichtig. Natürlich kommen wir auch manchmal zu spät – aber selbst wenn es kein Problem ist, stresst es uns oft sehr.
Wenn du also mit jemandem zusammen zu einem Termin fahren möchtest, dann kannst du sagen:
„Lass uns einen Puffer einbauen.“
4) „Hast du das auf dem Schirm?“
Unser nächster Satz ist:
„Hast du das auf dem Schirm?“
Das heißt so viel wie: Hast du daran gedacht? Denkst du daran?
Lena ruft ihren Mann im Büro an:
„Wo bleibst du denn? Wir sind in 15 Minuten bei den Nachbarn eingeladen!“
Und er ist ganz erschrocken:„Oh, das hatte ich gar nicht mehr auf dem Schirm!“
Oder du kannst fragen:„Wir müssen noch beim Vermieter anrufen. Hast du das auf dem Schirm?“
Ein Schirm kann ein Regenschirm sein, aber auch ein Bildschirm – am Computer. Oder ein Radarschirm (diese runde Scheibe mit Punkten, die man manchmal im Film sieht).
Und ungefähr so kannst du dir das vorstellen: Der Termin oder das, woran du denken musst, ist einer dieser Punkte, die du siehst.
5) „Soll das ein Witz sein?“
Hier geht es nicht um lustige Witze. „Soll das ein Witz sein?“ bedeutet:
„Das kann ja wohl nicht wahr sein!“
Beispiel:
Du bist mit einer Freundin verabredet. Als du gerade am Treffpunkt angekommen bist, ruft sie dich an und sagt, dass sie eine Stunde später kommt, weil sie noch ihre Haare waschen möchte.
Wie bitte? Eine Stunde später?
„Soll das ein Witz sein!“
Oder auch: „Das soll wohl ein Witz sein!“
6) „Es wird gleich was frei.“
Kommen wir zum nächsten Satz.
Du bist im Restaurant, aber du hast keinen Tisch reserviert und es sieht sehr voll aus.
Zum Glück sagt der Kellner:
„Es wird gleich was frei.“
Also: Andere Gäste gehen gleich, dann kannst du deren Tisch haben.
„Es wird gleich was frei“ bedeutet: Gleich gibt es einen Platz für dich.
Das kann auch eine Umkleidekabine im Geschäft sein.
Die Verkäuferin sagt dann:
„Warten Sie bitte kurz, es wird gleich was frei.“
7) „Hab dich nicht so.“ / „Stell dich nicht so an.“
„Hab dich nicht so.“
Was könnte das bedeuten? „Hab“ ist der Imperativ von „haben“, wie in:
„Hab viel Spaß!“ oder „Hab noch einen schönen Tag!“
Aber: „Hab dich … nicht … so?“
Vielleicht hilft es auch nicht so viel, wenn ich nur sage: Das bedeutet „Stell dich nicht so an“.
„Sich anstellen“ bedeutet normalerweise: in einer Schlange warten.
Aber „Stell dich nicht so an“ oder „Hab dich nicht so“ bedeutet:
Es ist gar nicht so schlimm. Hör auf zu jammern.
Du kennst das vielleicht von kleinen Kindern: Sie sind hingefallen, ja, es tut kurz weh, aber sie lachen schon wieder. Wenn dann doch minimal ein bisschen Blut zu sehen ist, gibt es plötzlich Tränen – und es ist ein Drama.
Wenn das immer wieder passiert, bist du vielleicht irgendwann genervt und sagst:
„Hab dich nicht so.“ oder „Stell dich nicht so an.“
Ein anderes Beispiel: in der Schule. Anton will nicht neben Maja sitzen, weil Maja ein Mädchen ist. Die Lehrerin verdreht die Augen und sagt:
„Jetzt stell dich nicht so an. Maja beißt nicht.“
Und du hörst es: Ich nehme als Beispiele Kinder, weil „Hab dich nicht so“ oder „Stell dich nicht so an“ schon sehr direkt, genervt oder streng klingen kann.
8) „Ich muss kurz wen anrufen.“
„Ich muss kurz wen anrufen.“ Das sagen wir umgangssprachlich für:„Ich muss kurz jemanden anrufen.“
Genauso kannst du sagen:„Kannst du vielleicht wen fragen, wie das geht?“
Hier ist es egal, wer diese Person genau ist. Wichtig ist nur:
Ich muss telefonieren – oder diese Person kann helfen.
„Ich muss kurz wen anrufen“: Den Satz kannst du dir merken.
9) „Hast du’s bald?“
Okay, mein Sohn ruft wen an – aber wir warten mit dem Essen. Wenn ich ungeduldig werde, frage ich vielleicht:
„Hast du’s bald?“
Alo: „Hast du es bald?“ – aber im Alltag klingt es eher wie: hastusbald.
Wenn du mit etwas fertig bist, zum Beispiel mit Telefonieren, dann kannst du sagen:„So, ich hab’s jetzt.“
„Hast du’s bald?“ zeigt aber immer: Man wird ungeduldig, weil der andere so lange braucht.
Stattdessen könnte ich auch sagen: „Mach schnell“ oder „Beeil dich“.
10) „Könntest du mir einen Gefallen tun?“ / „Darf ich dich um einen Gefallen bitten?“
„Könntest du mir einen Gefallen tun? / Darf ich dich um einen Gefallen bitten? Du gehst ja gleich zum Einkaufen... Könntest du vielleicht auch bei der Apotheke vorbeigehen und mir etwas gegen meine Erkältung mitbringen?“
Diese beiden Sätze sind höflich und besonders freundlich.
In der Sie-Form wäre das:
„Könnten Sie mir einen Gefallen tun?“
„Darf ich Sie um einen Gefallen bitten?“
Beispiel:
Vielleicht hast du eine ältere Nachbarin und möchtest sie bitten, den Briefkasten zu leeren, während du im Urlaub bist. Dann sagst du ganz höflich:
„Darf ich Sie um einen Gefallen bitten? Könnten Sie vielleicht nächste Woche meinen Briefkasten leeren? Ich bin dann im Urlaub.“
11) „Von mir aus.“ / „Meinetwegen.“
Beispiel:
„Mami, darf ich an den Computer?“ – „Ja, von mir aus.“ Oder: „Meinetwegen.“
Also: Das ist für mich okay.
Noch ein Beispiel:
„Wir wollen heute Abend essen gehen. Hm … sollen wir Pizza essen?“
„Von mir aus gerne.“ = „Für mich ist das okay.“
12) „Wie aus dem ff.“
Du hast deine Vokabeln richtig gut gelernt – du kannst sie wie aus dem ff!
„Wie aus dem ff“ – zweimal der Buchstabe f.
Das bedeutet: Die Antwort kommt wie aus der Pistole geschossen. Also sofort und ohne Nachdenken.
Beispiel:
Die Lehrerin sagt zu den Kindern in der Grundschule:
„Morgen müsst ihr die Quadratzahlen können – und zwar wie aus dem ff.“
Quadratzahlen, also: 1×1=1, 2×2=4, 3×3=9 und so weiter.
Und wenn du hörst:
„Er kann das wie aus dem ff“ – dann ist das ein großes Lob.
13) „Das kannst du laut sagen.“
Hier geht es nicht um Lautstärke.
Du stöhnst: „Es regnet schon wieder! So ein Mistwetter!“
Und ich gebe dir recht:
„Das kannst du laut sagen! Ich möchte endlich mal wieder ein bisschen Sonnenschein haben!“
„Das kannst du laut sagen“ ist also ein emotionales:
„Aber echt!“ – „Aber wirklich!“ – „Du hast so recht!“
Oft benutzen wir das, wenn wir frustriert sind.
14) „Wo war ich stehen geblieben?“ / „Ich habe den Faden verloren.“
... Und dann … ähm … warte mal … wo war ich stehen geblieben?
Du möchtest etwas erklären, aber plötzlich ist der Gedanke weg.
Manchmal hilft es, wenn dir jemand sagt, was deine letzten Worte waren.
Zum Beispiel:
Ich erzähle dir etwas über München. Vielleicht wann und warum das Oktoberfest entstanden ist. Dann muss ich plötzlich an mein Dirndl denken oder du stellst eine Frage. Und ganz plötzlich weiß ich nicht mehr, was ich gerade gesagt hatte – ich habe den Faden verloren.
Dann frage ich:„Wo war ich stehen geblieben?“
Also: Wenn du plötzlich nicht weiter weißt, sagst du:
„Jetzt habe ich den Faden verloren.“
Oder: „Wo war ich stehen geblieben?“
15) „Mach dir keinen Kopf.“
Ich hatte in einem wichtigen Vortrag den Faden verloren – das ist mir jetzt schrecklich peinlich.
Aber du tröstest mich:
„Mach dir keinen Kopf.“
Das passiert jedem mal.
„Mach dir keinen Kopf“
Das heißt so viel wie: Mach dir keine Gedanken. Mach dir keine Sorgen.
Etwas altmodischer ist: „Zerbrich dir nicht den Kopf.“
Du hörst auch:
„Ich finde meine Schlüssel nicht. Ich habe mir echt schon den Kopf zerbrochen, wo ich sie hingelegt haben könnte.“
Oder: „Das Problem hat mir echt Kopfzerbrechen bereitet.“
Diese Formulierungen funktionieren mit „sich einen Kopf machen“ nicht.
„Mach dir keinen Kopf“ benutzen wir wirklich eher als Beruhigung:
Mach dir keinen Kopf. Mach dir keine Gedanken. Mach dir keine Sorgen.Das wird schon.
Zum Schluss
Und wenn du jetzt das Gefühl hast: „Puh, so viele neue Sätze“ – dann mach dir keinen Kopf. Das wird schon.
Auch wenn du diese Sätze nicht sofort aktiv benutzen kannst: Du hast sie jetzt gehört und du verstehst sie. Das ist der erste Schritt.
Und vielleicht nimmst du dir einfach einen oder zwei dieser Sätze und überlegst dir eigene Beispiele:
Wen könntest du um einen Gefallen bitten?
Und in welcher Situation sagst du „meinetwegen“?
%2013_12_21.png)







Kommentare